Emotional Riding

Wir sind wieder zurück
Nach über sechs Monaten habe ich vorgestern zum ersten Mal meine Pferde wiedergesehen Sie waren auf dem Hof meiner Freundin super gut versorgt. Nur der Anlass dieses Wiedersehens war nicht so, wie gedacht. Nargos hat uns Sorgen bereitet, denn er hatte plötzlich Schmerzen, hielt den Kopf schief und konnte nicht mehr richtig laufen. Natürlich kam der Tierarzt, es gab ein Schmerzmittel und die Vermutung, dass er sich verrenkt haben könne. Dies war dann wohl auch wirklich so, denn einen Tag später lief er wieder ganz normal und hatte keine Schmerzen mehr.
Nach dieser aufregenden Situation machte ich einen gedanklichen Rückblick zu der Zeit, wie Nargos und ich uns begegnet sind. Ich entdeckte ihn in einer Anzeige in der Zeitung im Jahr 1998. Immer schon wollte ich einen Araber haben und er sah einfach wunderschön aus. Er war ein Jungspund, gerade mal knappe drei Jahre alt, und kam aus einer wirklich netten Familienaufzucht. Auf Grund seines Alters hatte er natürlich ziemlich viele Flausen im Kopf und testete seine Grenzen und Möglichkeiten bei mir gnadenlos aus. Das war alles völlig normales Jungpferdeverhalten. Ich hatte vorher schon Pferde ausgebildet aber Nargos forderte mich besonders heraus.
Jung und „dumm“ wie ich war, holte ich ihn gleich am nächsten Tag nach seiner Ankunft aus dem Paddock für einen kleinen Spaziergang NUR AM HALFTER. Für die Nicht-Pferde-Kenner: ein Halfter ist eine Art Zäumung, nur ohne das Gebissstück im Maul. Das war ziemlich leichtsinnig von mir, denn in Gefahrensituationen, in denen das Pferd fliehen möchte, kann man es so schwieriger halten. Aber natürlich wollte ich keine Trense mit Gebissstück nehmen, denn Nargos kannte bis zu diesem Zeitpunkt weder Sattel, noch Trense. Nur den Umgang mit dem Menschen hatte er gelernt und keine Angst.
Ich holte ihn also für den besagten Spaziergang und lief über ein Feld. Ungefähr 100m vor mir waren Bauarbeiter damit beschäftigt, an einem Haus Dämmplatten anzubringen. Es dauerte nicht lange und Nargos bemerkte diese und fand sie RICHTIG gruselig. Er blieb stehen (was ich ihm natürlich auch erlaubte), blähte die Nüstern, prustete laut durch sie hindurch und wölbte den Hals auf. Ich merkte schon, dass er keinen Schritt näher ran gehen wollte und eher darüber nachdachte, die Flucht zu ergreifen. Da machte ich den nächsten „Fehler“….ich sagte ja, ich war jung und dumm, obwohl ich zu dem Zeitpunkt schon 13 Jahre Pferdeerfahrung hatte. Wir drehten also langsam auf der Stelle um und was passierte? Nargos nutzte die Gelegenheit, um sofort nach der Drehung aus dem Stand im rasenden Galopp loszustürmen. Ich hielt ihn noch am Strick und sagte immer wieder zu mir.“Nur nicht loslassen, nur nicht loslassen…“. Auf Grund des Tempos machte ich ca.vier Riesenschritte bei dem Versuch, mitzuhalten und fiel dann hin….kein Mensch kann so schnell rennen aber ich wollte es wenigstens probieren und versuchte dabei, ihn anzuhalten. Ich fiel also hin und dachte immer noch:“ Nur nicht loslassen,nur nicht loslassen….“, was ich auch nicht tat. Statt dessen ließ ich mich à la „Jon-Wayne-Westernfilm“ mitschleifen….aber ich ließ nicht los. Ab diesem Zeitpunkt wusste ich, wie sich die Menschen damals gefühlt haben mussten, wenn sie an einem Pferd hingen und mitgeschleift worden sind. Nargos raste und raste in seiner Panik…und dann sind Pferde echt schnell….immer weiter und weiter über das Feld…mit mir schleifend/hängend am Strick. Nach ungefähr 150 Metern (vielleicht war es auch mehr,keine Ahnung), blieb er dann tatsächlich stehen. Ich stand auf (mit Strick in der Hand), murmelte noch das Wort „Krass“, streichelte ihn und klopfte mir den Sand von den Klamotten. Ein Fußgänger am Rande des Feldes sah mich an, schüttelte den Kopf und sagte.“ Da haben Sie aber ganz schön Glück gehabt, bei den vielen großen Feldsteinen, die hier liegen. Sie hätten mit dem Kopf gegenknallen können.“ Ich sah mich um und sagte nichts. Das war mir in diesem Moment auch nicht wichtig, denn die Situation war ja vorbei, mein Pferd stand wieder und ich stand auch wieder auf meinen zwei Beinen und wir waren beide unverletzt. Gemeinsam gingen Nargos und ich wieder zurück zum Stall.
Mit Nargos habe ich mir den größten Lehrer geholt. Er lehrte mich, im Moment zu sein, er lehrte mich auch, klarer und selbstsicherer zu werden, nicht nur im Umgang mit den Pferden, sondern auch mit Menschen…er lehrte mich, genau hinzuschauen, hinzuhören und hinzufühlen, was als nächstes dran sein würde und nicht starr irgendwelchen gelernten Konzepten zu folgen…er lehrte mich natürlich auch, besser zu reiten, denn ich bin das eine oder andere Mal runter gefallen in seiner Ausbildung (das ist eine andere Geschichte, die ich euch noch erzählen werde)….er lehrte mich Durchsetzungsvermögen genauso wie Mitgefühl….und er lehrte mich, immer und ständig auf mein Gefühl zu hören, vor allem was die Arbeit mit den Pferden betraf. Er war bei Lehrgängen zum Reitabzeichen und auch Trainerschein dabei und trug mich durch die Prüfungen.
Nargos wurde ein supertolles und zuverlässiges Schulpferd und war sehr beliebt bei den Schülern. Er trug jeden Prüfling beim Reitabzeichen durch den Parcour. Aber bis dahin war es ein langer Weg, der erforderte, dass ich mich immer wieder selbst reflektierte, viele,viele Male über meinen Schatten und meine Ängste sprang und mehr als einmal die Hoffnung nicht aufgeben durfte und wollte. Nargos hat dazu beigetragen (neben Farduw und vielen anderen tollen Pferden), dass ich jetzt einen weiteren neuen Weg mit den Pferden eingeschlagen habe und ihn euch hier und im persönlichen Kontakt näher bringen kann. Einen Weg, der nicht bedeutet, die Pferde nicht mehr zu reiten, jedoch ein völlig neues Miteinander kombiniert mit einer von mir über JAHRE hinweg entwickelten Reitweise das Pferd als GANZES…als fühlendes, lernendes, klares Wesen zu sehen und nicht mehr nur mit eigenen Bedürfnissen zu überhäufen und in Schubladen zu stecken. Diese Reitweise integriert neue wissentschaftliche Erkenntnisse, ein harmonisches, sicheres Reiten mit dem stressfreien Muskelaufbau und Muskelerhalt (denn ohne Muskulatur kann ein Pferd dauerhaft keinen Menschen tragen, ohne selber schaden zu nehmen). Außerdem entwickelt sich eine dauerhafte Zufriedenheit des Pferde-Menschen-Paars, die dieses Paar weiterhin erhalten kann, auch wenn ich nicht mehr helfend zur Seite stehe, denn oberstes Ziel ist, ein harmonisches konstantes und zufriedenes Paar, dass auch alleine zurecht kommt und aus sich heraus stetig weiter entwickelen kann.

Wer Hilfe beim Umgang mit dem Pferd, beim reiten, bei der Art der Haltung des Pferdes, bei eigenen Ängsten benötigt, kann sich gerne bei mir melden. Wir stellen zusammen ein eigens auf euch und euer Pferd ausgerichtetes „Programm“ zusammen, dass zwar eine wichtige Grundstruktur enthält aber trotzdem stets und ständig flexibel und bedürfnisorientiert bleibt.

Mittlerweile habe ich schon zahllose Pferde vom Boden und unter dem Reiter ausgebildet, den Trainer-B-Leistungssport reiten, kann Pferde reitweisenübergreifend reiten und es die Pferdebesitzer lehren. Ich stehe euch zur Seite, wenn ihr nicht mehr weiter wisst und nutze dabei eure und die Stärken eures Pferdes.

Eure Tina

(Auf dem Foto seht ihr mich auf Nargos bei einer Aufführung meiner damaligen Reitschule)

 

koenig_t
Tina König

No Comments

Post a Comment