„MALA“-die Rettung- whatever will be, will be

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„MALA“-die Rettung- whatever will be, will be

Wie versprochen, hier nun eine der für uns ergreifendsten Erlebnisse unserer Reise und unserer Gemeinschaft, die dadurch unerwarteten Zuwachs bekam.

Es war der 20. April in Malaga, Spanien. Mario und ich wollten mit den Fahrrädern in die City Malagas fahren. Das Wetter war perfekt. Leon wollte sich einen ruhigen Tag gönnen und „faulenzte“ ausnahmsweise mal im Wohnmobil. Eigentlich wollten wir mittags bis nachmittags in der City sein aber die Terminänderung einer Session von Mario mit einer Kundin sorgte dafür, dass wir nun doch erst abends um 18:30 Uhr losfahren konnten. Wir verbrachten zwei schöne Stunden dort und machten uns dann langsam auf den Weg zurück. Die Strecke führte direkt an der Strandpromenade entlang, rechts eine Mauer und dahinter große Steine und das Meer und links eine durch Autos, LKWs und Busse vielbefahrene vierspurige Straße. Ungefähr 25 Minuten würden wir mit den Fahrrädern zurück zum Wohnmobil benötigen.

Und während wir so dahin fuhren sah ich plötzlich ca.100 Meter vor mir eine Katze von der rechten Strandseite über den breiten Fußgänger- und Fahrradweg nach links Richtung Straße rennen. Sie sah nicht so aus als würde sie auch nur einen kleinen Teil ihrer Aufmerksamkeit auf die Autos haben. Ich sagte zu Mario, dass da vorne gerade eine Katze zur Straße rennt und dass ich hoffe, sie kommt dort heil rüber. Die ganze Zeit behielt ich die Stelle im Auge, an der ich sie gesehen hatte. Als wir dort ankamen, suchte ich nach der Katze und sah sie laut schreiend in vollkommener Panik hin und her rennen, immer auf die Straße, dann wieder auf der anderen Seite Richtung Häuser, dann direkt vor einen großen Bus, der glücklicherweise bremste. Sie schrie und schrie und war sprichwörtlich blind vor Angst und Panik. Da wurde uns bewusst, dass sie bereits einmal getroffen worden sein muss, denn sonst würde sie nicht so panisch und völlig unkoordiniert immer wieder auf die Straße rennen. Ich sagte zu Mario, dass wir rüber müssen, um sie vielleicht einzufangen oder irgendwie davon abzuhalten, immer wieder auf die Straße zu rennen. Wir waren immernoch auf unseren Fahrrädern und fuhren langsam auf unserer Straßenseite weiter, um zu gucken, wo die Katze hinrennen würde. In diesem Moment geschah das, wovon ich gehofft hatte, es würde nicht passieren. Wir waren eh schon innerlich aufgeregt und angespannt, doch von nun an ging alles ganz schnell und „wie von (vom) selbst“ (obwohl es ja immer so ist 😉 ). Es gab einen Knall und die Katze lag vollkommen verkrampft, Hinterbeine irgendwie von sich gestreckt und bewegungsunfähig mit aufgerissenem Maul auf der Straße. Ein Auto hatte sie erwischt. Mein ganzer Körper war durch das vorherige Geschehen sowieso schon in „Absprunghaltung“ und ohne eine einzige Sekunde zu zögern schrie ich:“ Jetzt ist sie angefahren worden!“, sprang von meinem Fahrrad (ich lies es einfach fallen), verlor dabei noch meinen Schuh, der mir auch vollkommen egal war und rannte zur Straße. Ich hört Mario noch kurz sagen, dass ich bitte trotzdem noch auf mich aufpassen solle (ich wäre nicht blind auf die Straße gerannt), schaute kurz nach links (es war glücklicherweise gerade eine kleine Lücke) rannte über die Straße auf die Mittelinsel und dann auf die andere Straßenseite, stellte mich (als wäre ich „Wonderwoman“ und könnte alle Autos stoppen) vor die ankommenden Autos, gab Handzeichen, dass sie anhalten sollen und wich keinen Meter beiseite, obwohl die Autos nicht sofort bremsten. Ich wollte unbedingt verhindern, dass das nächste Auto einfach über die Katze rüber fuhr ( die Ereignisse sind einfach hintereinander geschehen…vollkommen ohne Kontrolle). Als ich merkte, dass die Autos bremsten, beugte ich mich zu der immernoch verkrampft liegenden und mittlerweile wieder laut schreienden Katze hinunter, hob sie schnell und doch so vorsichtig wie möglich auf und lief zurück über die Straße. Diesmal hielt Mario alle Autos an, die auf der anderen Fahrspur angefahren kamen. Ich sah, wie die Katze aus dem Maul blutete und Mario sagte.“ Tina, es ist zu schlimm. Sie hat innere Verletzungen, sie blutet aus dem Po.“  „Ja, ich weiß. Ich muss mich erstmal mit ihr hinsetzen und gucken und kann sie nicht allein lassen.“ Die Katze mauzte und mauzte…

Auf dem Bürgersteig (dem kleinen grünen Randstreifen) angekommen setzte ich mich mit der Katze einfach ins Gras und legte sie vorsichtig vor mich, möglichst nah an mich ran aber ich wollte, dass sie einigermaßen gerade liegt, weil ich nicht wusste, welche Verletzungen sie hatte. Sie war nicht mehr ganz so verkrampft aber streckte weiterhin ihre Hinterbeine merkwürdig von sich und bewegte sich nicht. Der Kopf der Katze lag auf meinem linken Arm. Ich beugte mich ganz weit zu ihr runter, streichelte sie während sie weiter miaute und sagte ihr, es ist alles gut. Wenn sie nun „von uns gehen müsse“, dann kann sie das jetzt tun. Ich werde sie nicht alleine lassen, ich bleibe bei ihr und begleite sie. Sie darf nun gehen. Wir dachten, ihre inneren Verletzungen wären zu schlimm. Sie bewegte sich weiterhin nicht, hörte aber auf zu miauen und lag plötzlich ganz still. In dem Moment kamen andere Passanten und eine nette Frau fragte uns (sogar auf Deutsch), was passiert wäre und ob sie helfen könnten. Ich fing an zu weinen, sagte, ich weiß es nicht, die Katze wäre angefahren worden und es wäre am besten, wenn einfach jemand kommen würde, um sie zu „erlösen“. Mario erklärte ihnen alles und ich beugte mich wieder zu ihr runter, sprach mit ihr, streichelte den Kopf. Sie wurde wieder ruhiger. In diesem Moment legte ich wie ferngesteuert meine beiden Hände nebeneinander auf ihren Körper. Meine Gedanken wurden still und ich fühlte, wie Energien zwischen meinen Händen und der Katze begannen zu fließen. Es gab keine Intentionen für irgendetwas währenddessen. Es geschah einfach und die Katze lag ganz ruhig. Nach 2 Minuten endete unser Miteinander, sie fing wieder an zu miauen und die Menschen, die uns zu Hilfe gekommen waren, sagten, sie hätten eine Art „Tierpolizei“ angerufen, jedoch würden sie wegen einer freilaufenden Katze nicht kommen. Sie riefen auch in einer Klinik an, die nicht kommen wollte und wohl zwei Stunden weit weg wäre. Die Zeit verging und verging und es war scheinbar unmöglich, Hilfe für die Katze zu bekommen. Wir waren mit unseren Fahrrädern noch nicht besonders nah am Wohnmobil und die Katze hatte schon genug Angst. Sie kratze mich einmal an der Nase und diese Stelle wollte einfach nicht aufhören zu bluten. Natürlich hatte niemand ein Taschentuch dabei (ich wusste gar nicht, dass Kratzer an der Nase so doll bluten können, dabei war der nicht besonders doll). Also zerriss Mario (wie in so einem Heldenfilm 😉 ) sein T-Shirt, gab mir ein Stück und deckte mit dem Rest die Katze zu, die sich dabei auch noch so erschrak, dass sie versuchte, zu kratzen und wegzurennen. Ich hielt sie fest aber es war erstaunlich, dass sie ihre Hinterbeine wieder bewegen konnte. Immernoch versuchten alle, uns irgendwie zu helfen. Ich fing an, in meiner Anspannung jeden anzumeckern, wie denn sowas sein könne, ob ein Tierleben in Spanien nichts wert wäre und Mario war ständig dabei, mit ihnen zu kommunizieren. Ich überlegte, ob ich mich sonst mit Katze in einem Taxi in eine Klinik fahren lassen könnte und Mario versuchte, Taxis anzuhalten. Alle waren voll…Als endlich eins anhielt, sagte der Fahrer, er würde uns nicht mitnehmen, weil die Katze blutete. Die Zeit verging und verging und keine Hilfe war in Aussicht. Dann wurde uns gesagt, dass die Tierpolizei doch kommen würde aber niemand wissen würde, wann. Ich saß also noch im Gras, mittlerweile die (miauende) Katze im T-Shirt eingewickelt auf meinem Schoß. Unsere Helfer mussten weiter gehen und nun saßen wir dort alleine und überlegten hin und her, wie wir nun vorgehen würden. Ob Mario mit den Fahrrädern zum Wohnmobil fahren würde und die Katzenbox mitbringen könnte oder gleich das ganze Wohnmobil. Oder ob ich mit der Katze loslaufen solle. Allerdings hatte ich Sorge, dass sie dann in Panik geraten würde und einen Katzenbiss wollten wir nicht (schließlich hatten wir die Erfahrung schon mit unserem Neo in Portugal gemacht).

Nach insgesamt ca.zwei Stunden und keiner Tierpolizei, die eintraf, reichte es mir, ich stand mit der Katze auf und sagte, ich laufe jetzt zum Wohnmobil. Sie hielt erstaunlich ruhig. Es war noch ein weiter weg. In der Zwischenzeit raste Mario mit einem Fahrrad zurück zum Wohnmobil. Ich lief, so schnell ich konnte, ohne die Katze zu sehr durchzuschütteln. Irgendwann verkroch sie sich mit ihrem Kopf in meiner Ellenbogenbeuge. Mario kam mit Katzenbox zurück, wir legten sie hinein, er holte das zweite Fahrrad und wir fuhren zum Wohnmobil und dann nachts um 23 Uhr in eine Klinik. Dort wurde die Katze sofort abgenommen und uns wurde gesagt, sie bräuchte zunächst Sauerstoff und am nächsten Tag würden alle Untersuchen gemacht werden. Sie würden sich bei uns melden. Das, was hier wie ein normales Gespräch zwischen Tierarzt und Patientenbesitzern klingt, war im tatsächlichen Geschehen gar nicht so einfach. Niemand konnte so wirklich Englisch und wir verstehen kein Spanisch 😉.

Am nächsten Tag (Sonntag) warteten wir auf einen Anruf. Wir waren uns nicht sicher, ob sie die Nacht wirklich überleben würde. Nachmittags kam der Anruf, dass sie noch leben würde und sogar relativ stabil wäre. Wir könnten am nächsten Tag hinkommen.

Der nächste Tag kam und wir sprachen mit dem Tierarzt. Dieser sagte, sie hätte keine schweren Verletzungen, aber Durchfall und Fieber und man müsste testen, woher dieser kommen würde. Ultraschall und Röntgen hätten sie noch nicht gemacht. Wir teilten ihm mit, dass wir alle Behandlungen bezahlen würden und sie bitte alles machen sollen, was notwendig sei. Er sagte außerdem, sie würde nicht fressen aber wir könnten sie besuchen. Als wir zu ihr kamen lag sie in einer Isolierbox hinten in die Ecke gedrängt und hatte furchtbare Angst. Sie ließ sich streicheln und ich redete mit ihr. Sie hatte nur eine dünne wasserdichte Unterlage dort zu liegen, deshalb fragten wir, ob es möglich wäre, unsere kuschelige Decke zu ihr zu legen. Diese liebte sie dann zukünftig auch sehr.

Täglich gingen wir zu ihr, erfuhren mehr über ihre Untersuchungen und Ergebnisse. Wichtig war vor Allem, dass sie keine ansteckenden Krankheiten haben würde, wegen unserer Katzen. Alle gemachten Tests waren glücklicherweise negativ, sie hatte zwei gebrochene Rippen und der Durchfall wurde zusehends besser. Jedes Mal brachte ich ihr unterschiedliches Futter mit, um sie zum fressen zu überreden und am dritten Tag fraß sie tatsächlich ein paar kleine Hapse. Unsere Gedanken überschlugen sich beinahe…was sollten wir nun mit der Katze tun? Wir sind in einem kleinen Wohnmobil mit drei eigenen Katzen unterwegs und unser Neo tut sich schon immer sehr schwer mit Umstellungen und fremden Katzen. Außerdem kann man sie ja nicht sofort zu den Anderen lassen, wegen eventueller Ansteckungen. Ich hatte keine Lust auf vier Katzen mit Durchfall im Wohnmobil. Also nahm eine liebe Freundin von uns, die in Berlin bei einem Katzentierschutz ist, Kontakt zu Tierschutzorganisationen in Spanien auf aber diese waren alle übervoll (Kittenzeit).

Eine Stelle hätten wir gehabt, diese wollte sie aber nur ca.5 Wochen vorübergehend aufnehmen. Und natürlich hingen wir mittlerweile auch an dieser kleinen süßen und noch sehr jungen (ca.4 Monate) Katze.

Der Tag kam also, an dem die Klinik meinte, wir können die Katze abholen, denn bei uns würde sie fressen aber dort nicht. Sie war zu dem Zeitpunkt 5 Tage dort. Flüssigkeit bekam sie über einen Zugang.  Und so geschah es, dass wir in unterschiedlichen Tierläden eine große Katzenbox, Katzenklo, Futterschüssel, Futter, Vitaminpaste und noch einiges mehr holten und die Katze (nach bezahlter Klinikrechung, denn obwohl angedeutet verzichtete die Klinik nicht auf ihr Geld) zu uns in das Wohnmobil holten. Unser Esstisch wurde Katzenboxtisch mit Katze darin. Wir holten viele Desinfektionsmittel und wenn wir sie nicht gerade streichelten, deckten wir die Box komplett ab, um den Kontakt mit unseren Katzen zu vermeiden (diese wollten glücklicherweise eh noch nichts von ihr wissen). Natürlich muss sie auch noch morgens und abends Medikamente bekommen, ihre Box ist ausgelegt mit wasserdichten Unterlagen, die täglich gewechselt werden und ihr Klo und ihre Schüsseln und Spielzeuge werden täglich mit heißem Wasser abgekocht. Wir hielten und halten weiterhin sehr genaue Desinfektionsmaßnahmen ein, denn leider war ihr Durchfall nicht komplett geheilt. Wer möchte, kann sich einmal mit dem Thema „Giardien“ befassen und weiß, welche Hygienemaßnahmen wir einhalten mussten und auch immenoch tun, obwohl der Durchfall mittlerweile weg ist. Sie frisst wie ein Scheunendrescher, spielt und liebt es, gestreichelt zu werden. Unsere Katzen waren nicht sehr begeistert, besonders Neo, der nun alle anknurrte und anfauchte und am Liebsten unseren Jerry verhaute (alles aber noch in Maßen, wir achten sehr auf sie). Zeit für irgendwelche Ausflüge hatten wir nicht mehr und morgens begann der Tag mit Katzenbox und Katze säubern und Schälchen abkochen. Unser Frühstück gibt es weiterhin nun erst mittags und an manchen Tagen sorgt€ der Stress natürlich auch für angespannte Stimmung. Aber ein Blick auf diese kleine Katze und alles war vergessen. Wir tauften sie übrigens bereits am zweiten Tag mit dem Namen „Mala“ (wie Malaga). Sie ist eine sehr geduldige und liebe Katze, die sich mittlerweile in ihrer Box Zuhause fühlt und sich dort noch nicht raus traut. Dies ist gut für uns, denn sie darf es auch noch nicht. Erst muss alles geheilt und in Ordnung sein und ihre gebrochenen Rippen brauchen ebenfalls noch eine Weile.

Ich bin sehr froh, einen Mann wie Mario an meiner Seite zu haben, der ebenso schnell sein Herz an diese Katze verloren hat wie ich und den ganzen Stress so mitmacht.

Diese Geschichte, die das Leben schrieb, ist das beste Beispiel dafür, wie die Dinge einfach geschehen, ohne dass es jemanden gibt, der einen Einfluss darauf haben könnte. Solche Extremsituationen kann man nicht vorher planen und während sie geschehen, gibt es kein Nachdenken darüber, was zu tun ist oder was richtig oder falsch ist. Die Schöpfung spielt ihr eigenes Spiel ohne die Anwesenheit eines Spielers.

Whatever will be, will be…. Was immer sein soll, wird sein… Was geschehen soll, wird geschehen…

Let it be….lass es sein…gib den Widerstand auf…

Wir werden euch weiterhin auf dem Laufenden halten. 😊

Eure Tina

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Tina König

Comment

  • Margit Hildesheim
    6. Mai 2019 at 20:27

    Mala…. Mich hat deine so bildliche Erzählung des Erfahrenen völlig mitfühlen lassen. Was für eine dramatische, liebevolle Rettung. Ich kann’s sowas von mitfühlen. Mala ist ein Glückskätzchen, daß sie eine so liebevolle Familie gefunden hat. Naja, sie mußte dieses „Drama“ hinlegen, sonst hätt’s vielleicht nicht geklappt 😉

    Schnelles Gesundwerden wünsch ich der süßen Maus und euch allen
    ALLES LIEBE

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