Meine tierischen Helfer- Die bedingungslose Liebe


Wer meine Texte ein wenig verfolgt hat, der weiß, dass ich Unterstützung in Bezug auf „Probleme mit Pferden“, „Pferde mit Menschenproblemen“ anbiete….Und derjenige weiß auch, dass ich einen starken Wandel durchgemacht habe und auch immer noch durch mache.
In meinem letzten Text vom 18.7.habe ich euch einiges über die erste Zeit mit meinem mittlerweile 24 Jahre alten „Opi“ Nargos erzählt. Ich möchte euch einen Einblick in meine Erfahrung und Arbeit mit den Pferden bringen und nach Möglichkeit das Bewusstsein der Menschen in bezug auf den Partner Pferd ändern. Denn auch ich startete meine „Reiterlaufbahn“ als normaler Schüler einer Reitschule, in der ich die Pferde vor der Reitstunde nicht mal putzen musste, sondern sie gesattelt und vorbereitet einfach auf den Reitplatz bringen konnte. Es gab niemanden, der mir „die Sprache der Pferde“ beigebracht hat. Ich habe sie in einigen intensiven, schmerzhaften, frustrierenden und bewegenden Momenten mir selber beigebracht bzw.sie erfahren. Natürlich liebte ich Pferde von Anfang an aber ich hatte keine Ahnung, welche intensiven Verbindungen zu Tieren möglich sein können, obwohl ich immer mein Bestes gegeben habe, ihnen ein tolles Leben mit und bei mir zu ermöglichen.
Nun berichte ich euch über einige weitere bewegende Pferdemomente in meinem Leben:
 
DEN GEBURTEN VON ZWEI FOHLEN
Ich hatte das Glück und die Ehre zwei Pferde von ihren ersten Lebenstagen an begleiten zu dürfen.
Das erste Pferd war mein Friese „Farduw“. Warum ich immer einen Friesen haben wollte? Weil ich, wie viele andere auch, vollkommen fasziniert von der Schönheit dieser Pferde war. Der Entschluss, unbedingt einen Friesenhengst haben zu wollen, fiel bei einem Auftritt der Ostseequadrille im Jahr 2004 in der Graf-von-Lindenau-Halle in Neustadt/Dosse. Und das „Schicksal“, die „Bestimmung“ meinte es gut mit mir, denn eines Tages sah ich eine Anzeige in der Zeitung über den Verkauf einer tragenden Friesenstute. Es wurde nicht lange gefackelt und nach einer kurzen Besichtigung nahmen wir diese Stute mit. Sie war damals 9 Jahre alt und bis zu diesem Zeitpunkt nur Zuchtstute gewesen…also noch ungeritten. Ich wusste natürlich nicht, welches Geschlecht das Fohlen haben würde und auch nicht, ob es überhaupt lebend zur Welt kommen würde. Aber eins war sicher: Diese Stute würde nie wieder ein Fohlen zur Welt bringen müssen, denn sie hatte bereits 5 Fohlen das Leben geschenkt und ihr Körper sah dementsprechend mitgenommen aus. Ihr Rücken hing durch, sie war vollkommen unbemuskelt und relativ ausgezehrt. Mit viel Zeit, Ruhe, angemessenem Trainig und gutem Zuchtmüsli wurde ihr Zustand immer besser. Der Tierarzt gab uns auch das Ok, sie langsam an einen Reiter gewöhnen zu dürfen, natürlich nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt. Dies taten wir auch und es war gar nicht so einfach, denn sie war sehr sensibel, muss öfter mal grob angefasst worden sein und war ziemlich vorsichtig und ich bin trotz gründlicher Vorbereitung gleich beim ersten Aufstiegsversuch wieder im Sand gelandet. Sie hatte zu große Angst vor der Größe des Reiters auf dem Rücken. Wir hatten es nicht eilig und machten kleine Minischritte in der weiteren Gewöhnung. „Jitske“ (so war ihr Name) wurde später ein absolut liebes, geduldiges und zuverlässiges Schulpferd. Sie war jedem Menschen gegenüber offen und zugewandt und wollte immer nur gefallen (so wie es jedes Pferd tut).
Zwei Wochen vor dem errechneten Geburtstermin wollten wir für Jitske eine Box auf einem extra abgesteckten Paddock bauen, um ihr die Möglichkeit zu geben, in vollkommener Ruhe Abfohlen zu können. Doch sie wollte es anders. Am 3.5.2005 ging mein damaliger Lebensgefährte ungeplant nach einem Termin schon sehr früh auf unseren damaligen Hof. Plötzlich klingelte mein Telefon und er sagte:“ Jitske hat ihr Fohlen bekommen.Mitten in der Gruppe und unsere kleine Mary stand Wache.“ Wie ein geölter Blitz eilte ich zum Hof und begrüßte unser kleines „Wunder“…. Und dieses Wunder war auch noch ein Hengst. Er war zwei Wochen zu früh und damals war der Mai total kalt und verregnet und wir hatten noch keine Box. Also bauten wir in Windeseile einen Paddock und eine Box für die Beiden. Es regnete die ganze Zeit und als unser neuer Erdenbewohner mit der Mama in die Box sollte, wollte er nicht. Jitske ließ sich brav hineinführen und wurde dann leicht panisch, weil ihr Baby einfach nicht folgen wollte. Mein damaliger Lebensgefährte und ich gingen zu ihm hin, überzeugten ihn davon, dass wir total liebe Menschen sind und trugen ihn dann zu seiner Mama in die Box. So ein neugeborener Friese wiegt erstaunlich viel. Der Tierarzt kam zur Erstuntersuchung und empfahl uns, ihn ein bisschen einzudecken, da er ziemlich durchnässt war. Also nahmen wir eine Abschwitzdecke von einem Großpferd (wir hatten keine andere), banden sie so zusammen, dass sie einigermaßen passte und legten sie diesem neugeborenen Pferdchen um. Er bekam wirklich das volle Programm aber er war super lieb und überhaupt nicht ängstlich. Natürlich ließen wir ihn mit der Decke keine Sekunde aus den Augen und nahmen sie später auch wieder ab. Nach dieser ersten Aufregung hatte ich nun endlich die Möglichkeit, unsere Begegnung wirken zu lassen und „richtigen“ Kontakt zu ihm aufzunehmen. Mittlerweile hatte er auch seinen Namen: FARDUW.
Ich setzte mich an der Seite in die Box und beobachtete. Diese Begegnung und die Gefühle, die in diesem Moment in mir hoch kamen, sind in Worten kaum zu beschreiben. Ich blickte in seine Augen als er an meiner Kleidung herumnäselte und mich beschnüffelte und tiefer Frieden und unendliche Dankbarkeit kamen in mir hoch. Tränen der Freude und Liebe liefen aus meinen Augen und gleichzeitig hatte ich extreme Gänsehaut. Es ist diese völlige Offenheit, natürliche Sanftheit, Neugier und Ahnungslosigkeit der Welt gegenüber, die ein solches neugeborenes Fohlen ausstrahlt, so wie es auch jedes neugeborene Menschenkind oder andere Lebewesen tut. Es war eine wortlose Verbindung, eine bedingungslose und absolut offene Liebe, die ich in mir fühlte. Ein Wesen, dass sich zu diesem Zeitpunkt noch fast komplett ohne den Einfluss von anderen Lebewesen zeigte. Einzig und alleine seine ihm angeborenen Instinkte ließen ihn das tun, was er zum Überleben brauchte…er blieb in der Nähe seiner Mutter und er trank die Milch. Ich kann jedem nur empfehlen: Wenn ihr das Glück haben solltet, bei der Geburt eines Fohlens dabei sein zu können (oder eines anderen Tieres,ich rede absichtlich mal nicht von Menschen,das werde ich ein anderes Mal tun), dann nehmt euch die Zeit und die Ruhe und fühlt einfach nur diese erste Begegnung. Ich fühlte unendliche Liebe, Freude und war gleichzeitig sehr traurig. Einerseits vor Freude traurig, andererseits auch, weil ich es schlimm fand, wie schnell nach der Geburt eines Lebewesens diese Offenheit und Unbedarftheit verloren gehen kann. Wie schnell manche Menschen durch Gewalt und Ungerechtigkeit es schaffen, aus diesen liebevollen Lebewesen ängstliche, schüchterne oder aggressive Lebewesen zu machen. Zum damaligen Zeitpunkt war mir vieles noch nicht klar. Erst die Jahre später „gewonnene Klarheit“ in mir sorgte dafür, dass dieses gefühlte Leid in mir endete. Hierzu wird es ebenfalls einen gesonderten Text geben.
Nun war es da…das Wunschfohlen, sogar mit Wunschgeschlecht aber wir sollten noch einige aufregende und schwierige Zeiten erleben. Jitske war eine tolle Mama und kümmerte sich liebevoll um ihn. Gleichzeitig ließ sie uns jederzeit zu ihm, um ihn knuddeln und putzen zu können. Farduw ist bis heute aufgeschlossen und offen allen Menschen gegenüber. Er ist ein absoluter Herzensbrecher und Charmeur und gleichzeitig sehr selbstbewusst. Natürlich musste auch er lernen, dass man mit Menschen nicht genauso umgehen kann wie mit Pferdefreunden. Er war lange Hengst und als solcher musste er zu jeder Zeit händelbar und umgänglich sein. Dies zeigte ich ihm mit liebevoller Konsequenz. Und ich rede nicht von ungerechter Behandlung und Gewalt, sondern davon, die richtige Körpersprache mit den richtigen „Anweisungen“ an das Pferd zu exakt dem richtigen Zeitpunkt zu geben. Wäre mir dies nicht geglückt, wäre dieses Pferd heute nicht so ein tolles, zuverlässiges, freundliches und offenes Wesen. Niemals in seinem bisherigen Leben hat er einem Menschen etwas „Böses“ getan. Noch nie (außer als kleines freches Fohlen 😉 ) hat er auch nur einen Millimeter seine Hinterbeine zu einem Tritt Richtung Mensch gehoben. Mit viel Geduld und natürlicher, pferdegerechter Konsequenz bildete ich ihn zu einem tollen Reitpferd aus, dass auch vom Boden aus jederzeit kooperiert. Wir sind ein starkes Team geworden. Im Jahr 2010 habe ich ihn bei der Ostseequadrille vorgestellt und durfte im selben Jahr unsere erste Show mit reiten. Und obwohl er leider im Training von einem anderen Pferd einen ziemlich gemeinen und unverhofften Tritt (glücklicherweise ohne Schaden aber sicher mit Schmerzen verbunden) abbekommen hat, lief er mit mir vier Showbilder, ohne meine „Anweisungen“ auch nur einmal in Frage zu stellen. Wir waren beide aufgeregt aber wir haben einander vollkommen vertraut. Diese enge Bindung zieht sich bis heute fort. Auch wenn wir nicht mehr so viel intensive gemeinsame Zeiten verbringen wie früher, so ist er doch ein Geschenk für all die Leute geworden, denen er seitdem die Angst vor dem Pferd genommen hat…denen er bedingungslos und offen sein Herz geschenkt hat, so dass sie ihm ihres öffnen konnten…denen er auf liebevolle und sanfte Weise zeigt, wo ihnen noch die nötige Klarheit fehlt…denen er zeigt, wo sie selbst noch von ihrer eigenen Angst dominiert werden, ohne dass er ihnen jemals einen Schaden zufügen würde. Er ist Lehrer, Therapeut und Freund in einem und ich bin dankbar, mit ihm diesen Weg gehen zu dürfen. Ich bin dankbar dafür, dass wir beide offen genug waren, jederzeit voneinander lernen zu können. Nein, ich bin dankbar dafür, dass er in mir diese immer wieder neue Offenheit hervorholte, die er von sich aus sowieso schon hatte und hat. Ich bin dankbar, dass wir gegenseitig aus uns die beste Version, die es gibt, herausholen konnten und immer noch tun.
Mittlerweile ist Farduw seit 8 Jahren nicht mehr reitbar (bzw.nur im Schritt), da er einen Sehnenschaden hat. Und niemals würde ich ihn hergeben.Er zeigte mir, wie unwichtig es ist, ein Pferd reiten zu können. Und obwohl mir immer wieder Menschen gesagt haben, es würde sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen, habe ich ihn nicht einschläfern lassen, sondern ihm trotz Geldknappheit die neuesten Behandlungsmöglichkeiten zukommen lassen. An den Raten dafür (vielen Dank für diese Möglichkeit an die Pferdeklinik) habe ich Jahre bezahlt aber das spielte keine Rolle. Dieses Pferde gab mir seine Treue, seine Liebe und zu jeder Zeit das Beste, was es hatte. Solange es ihm gut geht, werde ich ihm zur Seite stehen.
Ich hatte viele intensive Pferdebegegnungen, durfte durch eine harte Reitschulzeit gehen, habe mich oft in die Pferde verliebt, bei denen ich wusste, ich würde in jeder Reitstunde runter fallen (danke an den tollen Wallach „Charly“) und bin trotzdem immer wieder aufgestiegen. Charly hat mir beigebracht, wie ich auf einem Rodeopferd sitzen kann, ohne runter zu fallen…und ich übertreibe nicht. Ich vergleiche diese Erfahrung gerne mit diesen Comicpferden, die auf Tassen abgebildet sind…, wo der Reiter so ein kleines Männekin ist und immer 2 Meter über dem Pferd schwebt, weil es rennt oder buckelt (vielleicht finde ich noch ein Foto). Genau so hat es sich für mich angefühlt. Charly ist wirklich in JEDER Reitstunde mit allen vier Beinen in der Luft capriolenartig entweder eine lange Seite entlang oder auf dem Zirkeln o.ä. entlanggehüpft. Ich bin regelmäßig im hohen Bogen auf dem Boden gelandet…und ich habe dieses Pferd geliebt, denn unsere Verbindung bedeutete mehr als nur reiten.
Nach und nach werde ich euch unterschiedliche Pferdebegegnungen erzählen. Denn sie sind der Grund, warum ich heute weiß, wovon ich rede…weshalb ich euch selbstbewusst meine Hilfe anbieten kann und möchte. Denn nur wer selber erfahren hat, wovon er spricht, und nicht nur in Büchern gelesen, der ist in der Lage, flexibel und empatisch
auf jede neue Situation und Herausforderung mit immer wieder neuen Blickwinkeln einzugehen. Und ich scheue mich nicht, wie viele andere, auch die Unterstützung von Tierärzten, Ostepathen, Hufschmieden, Sattlern oder anderen hinzuzunehmen. Zusätzlich zu der Unterstützung meines Lebensgefährten Mario Hirt, der den psychologischen Ansatz mit hineinnimmt. Denn in den seltensten Fällen sind es die Pferde, die „Probleme“ haben und wir können das Pferd als Spiegel nutzen, um uns selbst zu helfen, heilen und eine völlig neue Sichtweise auf die Welt zu bekommen. Sie sind ein Geschenk und wir dürfen es auspacken.
 
Sollte es also hier unter den Lesern Menschen geben, die Hilfe bei ihrem Pferd benötigen, meldet euch bei mir….Sollte es Menschen geben, die endlich gewisse Umstände in ihrem Leben verstehen möchten, dann kann euch die Begegnung mit meinen oder euren eigenen Pferden helfen….Meldet euch bei mir…. Sollte es hier Menschen geben, die tiergestütze Therapie benötigen, dann meldetet euch bei uns… Sollte es hier Menschen geben, die ihre Pferde nicht mehr reiten können und bereit sind, eine Ebene tiefer mit ihrem Pferd zu gehen, dann meldet euch bei mir…Und sollte es Menschen geben, die guten Unterricht benötigen, der alle Umstände mit einbezieht, egal ob menschlich oder „pferdisch“, dann meldet euch.
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Tel.oder Whats App: 0176/41310994 oder 0173/2329500
 
Ich komme auch zu euch, egal wohin. 🙂
 
Die Geschichte der Geburt des zweiten Fohlens erzähle ich euch Morgen. 🙂
koenig_t
Tina König

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